Wie planen, simulieren und optimieren Chemieparks solche Energiesysteme?
Von der Forschung zur Umsetzung
Im BMWK-geförderten Forschungsprojekt „TransTES-Chem" (FKZ 03ET1646A-E) untersuchten DLR, TSK Flagsol Engineering, JPM Ingenieurtechnik und GFaI e. V. – unter Nutzung des Know-hows der Chemiekonzerne Covestro und Currenta – mit TOP-Energy Integrationsmöglichkeiten von Hochtemperatur-Wärmespeichern und Power-to-Heat-Anlagen in einem idealtypischen Chemiepark-Modell (iCV). Dieses generische Modell ermöglichte allgemeingültige Aussagen zu Technologieintegrationen, ohne spezifische Standorte wie Brunsbüttel direkt abzubilden.
„Die größte Herausforderung bei Wärmespeichern in großen Industrieanlagen ist es, Anwendungsfälle zu finden, die am Ende einen wirtschaftlichen Business Case ergeben“, erklärt Dr.-Ing. Stefan Kirschbaum, Bereichsleiter Energiesystemtechnik von TOP-Energy. „Um Speicher sinnvoll in komplexe Energiesysteme zu integrieren, müssen alle Vorteile dieser Technologien bewertet werden. Neben dem reinen operativen Nutzen, wie der Ausnutzung variabler Energiekosten, muss auch der Wert von höherer Flexibilität und mehr Freiheitsgraden bei den Energieträgern bewertet werden.“
One model to rule them all? Allgemeine oder spezielle Optimierungsmodelle?
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden exemplarische Energiesysteme basierend auf Know-how von Currenta und Covestro sowie Literaturdaten in TOP-Energy abgebildet. Ziel war die Bewertung von Power-to-Heat-Anlagen und Hochtemperatur-Wärmespeichern (z. B. Flüssigsalz) in einer idealtypischen Chemiepark-Versorgungsstruktur (iCV, DOI: 10.1002/cite.202100164) – als generisches Modell für Chemieparks. Die idealtypische Chemieparkversorgungsstruktur erlaubt die Bewertung bestimmter Technologien, ohne konkret die Gegebenheiten einer bestimmten Liegenschaft abzubilden. Auf diese Weise ist es möglich, allgemeingültige Aussagen über bestimmte Technologien für ein breites Spektrum an Chemieparks zu treffen. Das Forschungsprojekt hat gezeigt, dass die direkte Beladung thermischer Speicher mit Dampf in den meisten Fällen unwirtschaftlich ist. Deutlich sinnvoller ist es, günstig eingekauften Strom in thermische Energie umzuwandeln und so zu speichern – ein Ansatz, der die Schwankungen an den Strommärkten gezielt ausnutzt. Da die Volatilität der Strompreise absehbar weiter zunehmen wird, dürfte dieser Vorteil in Zukunft noch deutlich größer werden.